Geschichte

Die Entwicklung des Verbandes ab 1904

Aus der Chronik

Der Wasserversorgungsverband „Möhlingruppe“ wurde im Jahr 1904 von den damals selbstständigen Gemeinden Bollschweil, Pfaffenweiler, Norsingen, Offnadingen, Biengen, Schallstadt und Scherzingen gegründet. Entsprechend einem Entwurf der Großherzoglichen Kulturinspektion Freiburg aus dem Jahr 1903 wurden zunächst 10 Quellen im Bereich des Schauinsland auf der Gemarkung St. Ulrich gefasst. In der ersten Verbandssatzung von 1904 wurden die gemeinsamen Verbandsanlagen und das überörtliche Leistungsnetz festgelegt. Die Kostenverteilung erfolgte nach den Einwohnerzahlen der einzelnen Mitgliedsgemeinden auf der Grundlage der Volkszählung von 1900. Für die Kosten der örtlichen Hochbehälter sowie der innerörtlichen Leitungsnetze mussten die Mitgliedsgemeinden satzungsgemäß selbst aufkommen. Die Gesamtkosten für die Verbandsanlagen beliefen sich seinerzeit auf ca. 120.000 Goldmark.

Bereits 1905 floss das erste Trinkwasser durch die Rohrleitung mit einem Durchmesser zwischen 80 und 90 mm vom Quellgebiet St. Ulrich über Bollschweil nach Pfaffenweiler und von dort über den Batzenberg nach Schallstadt, Scherzingen, Offnadingen und Biengen. Nach Abschluss dieser Baumaßnahme konnten damals ca. 3.400 Einwohner direkt mit Trinkwasser versorgt werden.

Wegen des 1. Weltkrieges fanden zwischen 1915 und 1920 keine Verbandsversammlungen statt. Auch die Wirtschaftskrise und die Inflation der Folgejahre spiegelten sich im Verbandsgeschehen wieder. Die wenigen Verbandssitzungen hatten deshalb nur verwaltungstechnische Dinge zum Inhalt. So wurde z.B. das Gehalt des Wassermeisters festgelegt, das von 50 Mark jährlich im Jahr 1920 auf 150 Mark im Jahr 1921 und 100.000 Mark im Jahr 1922 stieg.

Danach wurde das Gehalt wegen der fortschreitenden Inflation an den Stundenlohn gebunden, der im Steinbruch Pfaffenweiler bezahlt wurde. Zwischen den beiden Weltkriegen gelangten die ursprünglichen Wasserversorgungsanlagen schnell an ihre Kapazitätsgrenze, sodass sowohl die Quellleitung als auch die Hochbehälter verstärkt bzw. erweitert werden mussten. Bereits kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs war der Verband jedoch wieder gefordert, da in den trockenen Sommern 1947 und den Folgejahren großer Wassermangel herrschte. Durch die zusätzliche Fassung von Quellen und Verstärkung des Leitungsnetzes schien das Problem des Wassermangels zunächst gelöst. Auf Grund des stetig steigenden Wasserverbrauchs der einzelnen Haushalte sah sich der Verband jedoch bereits 1954 gezwungen, den Einbau von Wasserzählern für die einzelnen Verbandsgemeinden zu beschließen. Wegen der widerstrebenden Haltung einiger Gemeinden zog sich die Nachrüstung jedoch bis 1964 hin.

Durch weitere Quellfassungen konnte das Versorgungsgebiet der „Möhlingruppe“ bis Anfang der 70er Jahre ganz mit Quellwasser von St. Ulrich versorgt werden. Seit 1972 wurde der Spitzenwasserbedarf und zunehmend auch der Grundbedarf durch die Errichtung einer Verbundleitung vom Nachbarverein „Tuniberggruppe“ gedeckt. Mit dem Bau eines neuen Hochbehälters im Jahr 1971 konnte die damals noch selbstständige Gemeinde Ehrenstetten mit Trinkwasser der „Möhlingruppe“ beliefert werden. Ein Jahr später trat auch die Gemeinde Kirchhofen dem Verband bei.